04.08.2026

Film ab! Absolvent:innen der Fachschule für Heilerziehungspflege feiern filmreifen Abschluss

Ein guter Film begeistert und berührt uns und manchmal denken wir immer wieder an besondere Szenen. Was macht einen guten Film aus? Es ist das Miteinander verschiedene Charaktere – alle Akteure sind wichtig. Es gibt keinen Film ohne Hauptdarsteller und Statisten, Regisseur oder Techniker.

Unter dem Motto „Film ab!“ feierten am 30. Juli 2026 die Absolventinnen und Absolventen der Johannes-Grande-Schule der Barmherzigen Brüder mit Wegbegleitern aus Beruf und Familie bei einem Gottesdienst ihren feierlichen Abschluss.

Pastoralreferentin Elke Wild beschrieb, dass die Ausbildungszeit einem facettenreichen Film gleicht. Spannende Szenen, Emotionen, unerwartete Wendungen und viele Darsteller. Die Feier bilde den „Cut“, den Schnitt zwischen der Ausbildung und dem Einstieg in den Beruf oder die nächste Stufe des Lebens.

Fachschüler:innen und Dozent:innen blickten zurück auf die vergangenen Jahre voller Herausforderungen, bewegender Begegnungen und wertvoller Erfahrungen und in die berufliche Zukunft, in der die Menschen mit Behinderung die Hauptdarsteller sind. Die Absolvent:innen stehen am Ende einer intensiven Drehzeit – der Ausbildung. Sie haben ihr Handwerkszeug gelernt, kennen die Kameraeinstellungen, das Drehbuch und die Dramaturgie der Heilerziehungspflege und können so die Menschen mit Behinderung und ihre Lebensdrehbücher verstehen und gut begleiten. Sie haben das Ticket für die Filmfestspiele des Lebens in der Hand.

Im anschließenden weltlichen Teil der Feier begrüßte Schulleiter Marco Schleicher die Gäste und beglückwünschte die Absolvent:innen. Er dankte den Menschen, die als Praxisanleitung oder Kolleg:in den Weg durch die Ausbildung maßgeblich unterstützt haben und den Menschen, die zum Gelingen der Feier beigetragen haben.

In seiner Rede nahm er Bezug auf die Petition „Teilhabe ist Menschenrecht“, die sich gegen die Sparpläne in der Eingliederungshilfe richtet und einer der erfolgreichsten Bundestagspetitionen in der Geschichte war. Trotzdem wurde das Papier „Effizienter Ressourceneinsatz bei Leistungsgesetzen“ verabschiedet und die entsprechenden Spargesetze folgen. Marco Schleicher wünschte den Absolvent:innen, dass sie neben der Assistenz auch die anwaltschaftliche Perspektive, also den Einsatz für angemessene Rahmenbedingungen, in denen Teilhabe möglich wird, im Blick haben.

Er dankte den Schüler:innen für ihren Einsatz außerhalb des Unterrichts beim Podcast ScHEPs oder den Bereichen Umweltschule und Schule ohne Rassismus. Besonders würdigte er das Engagement von Schülersprecherin Allegra Bretschneider, die aufgrund dieses Einsatzes und ihrer hervorragenden schulischen Leistungen von Kultusministerin Anna Stolz als eine der besten Schülerinnen in Bayern geehrt wurde.

Frater Magnus vom Orden der Barmherzigen Brüder überbrachte die Grüße des Ordens und gratulierte den Absolvent:innen zur bestandenen Prüfung. „Sie haben den Dienst am Menschen mit Beeinträchtigung zu Ihrem Herzensjob gemacht. Ich möchte Ihnen auf Ihrem künftigen Weg zwei unserer Barmherzigen Brüder als Weggefährten zur Seite stellen.“ so der Ordensmann. Er ging auf das Leben von Johannes von Gott und den seligen Eustachius Kugler ein, die sich mit viel Herzblut für Menschen eingesetzt haben.

Geschäftsführer Harald Auer würdigte den Einsatz der Frauen und Männer, die nun mit dem Abschluss für die vielen investierten Stunden belohnt werden. „Sie haben gelernt, mit Empathie und Respekt auf die Bedürfnisse anderer einzugehen, Menschen mit Behinderung modern und auf Augenhöhe zu begleiten und dabei als Herzensmensch auch schwierige Situationen zu meistern. In Ihrer Ausbildung haben sie nicht nur fachliches Wissen erworben, sondern auch wichtige soziale Kompetenzen entwickelt. Damit sind sie zu wertvollen professionellen Begleitern von Menschen mit Behinderungen geworden um diese Menschen in einer leider immer noch nicht inklusiven Gesellschaft zu unterstützen, zu begleiten und zu fördern“, so der Geschäftsführer. Auch er nahm Bezug auf die aktuelle gesellschaftliche und politische Entwicklung, zeigte sich aber zuversichtlich, dass Fachkräfte im sozialen Bereich nicht durch neue Techniken zu ersetzen sind.

Im Anschluss wurden die Zeugnisse überreicht und alle Absolvent:innen persönlich gewürdigt. Annette Aschenbrenner, Klassenleiterin der Heilerziehungspflegehilfe, stellte den Humor, den Zusammenhalt und das Engagement der Schüler:innen heraus, die zwischen Fachwissen und Leistungsnachweisen den Spagat zwischen Schule, Arbeit und Privatleben gemeistert haben.

Daniela Wrona-Dittrich, Klassenleiterin der Heilerziehungspflege, blickte auf die vergangenen Jahre zurück und gab den frischgebackenen Absolvent:innen mit auf den Weg: „Führt selber Regie, seid eure eigenen Hauptdarsteller und verliert dabei nie den Blick für die Menschen in einer vermeintlichen Nebenrolle. Sie sind meist die größten Künstler und unser aller Lehrmeister. Bleibt neugierig, bleibt mutig und zeigt Haltung – in dieser Zeit wichtiger denn je!“

Foto: Die Absolventinnen und Absolventen mit Auszeichnung mit Ehrengästen und Vertreter:innen der Fachschule

Text: Barbara Eisvogel